Wir lassen uns unseren Protest nicht verbieten – Proteste bei Anhörung zu zwei neu geplanten Mastanlagen in Celle.

Am vergangenen Mittwoch, dem 23.05. nahmen Aktivist*innen der Critical Mast Fahrradtour an einer sogenannten Anhörung zum geplanten Neubau von zwei Mastanlagen im Kreis Celle teil. Die Veranstaltung im Neuen Kreissaal von Celle sollte den Anwohner*innen und Interessierten die Möglichkeit geben, die mehr als 500 eingebrachten Einwendungen gegen das Projekt mit den Verantwortlichen des Kreises und den Vertreter*innen des Betreibers Christoph Lichthardt zu diskutieren. Hierzu kam es jedoch nicht.

Unter der rigiden Leitung von Kreisdezernent Gerald Höhl wurde der Großteil von Nachfragen und kritischen Anmerkungen unterbunden. Personen, die selbst keine Einwendungen gestellt hatten, wurde bereits im vornherein das Rederecht untersagt. Auch die Durchsuchungen von Zuhörer*innen durch die mehr als 15 anwesenden Polizist*innen zu Beginn der Veranstaltung ließen keinen Zweifel daran, worum es den Behördenvertreter*innen ging: Das Projekt gegen jeden Widerspruch durchzuboxen. Während immer deutlicher wurde, dass dem Kreis wirtschaftliche Interessen mehr gelten als Bedürfnisse der betroffenen Menschen und Tiere, wuchs im Saal der Unmut der Anwohner*innen und Zuhörer*innen. Als eine Aktivistin das Wort ergriff, ließ Höhl diese durch die Polizei kurzerhand aus dem Saal werfen. Im Anschluss kam es zu lautstarken Protesten. Gegner*innen der Mastanlagen zeigten Spruchbänder, die sich gegen Tierausbeutung und Umweltzerstörung richteten. Der Großteil der Betroffenen und Zuhörer*innen solidarisierte sich mit dem Protest, stellte sich sogar schützend vor die Aktivist*innen, als die Polizei mit aller Gewalt begann, die diese aus dem Saal zu werfen.

Klar ist, der Widerstand gegen die zwei Mastanlagen ist damit nicht beendet. Die neu gegründeten Bürgerinitiativen vor Ort und Tierbefreiungsaktivist*innen werden weiterhin vielfältig und entschlossen gegen den Neubau vorgehen.

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Bericht von Joachim Gries, der in der Celleschen Zeitung am 24. Mai erschien:

Eklat bei Erörterungstermin zu Hähnchenmastställen

CELLE. Polizeieinsatz im Celler Kreistagssaal: Beim gestrigen Erörterungstermin von Einwendungen gegen zwei geplante Hähnchenmastställe bei Bockelskamp wurden sieben junge Gegner von Mastanlagen von Beamten aus dem Raum geführt. Kreisdezernent Gerald Höhl als Versammlungsleiter hatte von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht, als eine junge Frau nach einem allgemeinen Wortbeitrag am Mikrofon den Saal nicht verlassen wollte. Die Polizei schritt ein und führte sie gegen 12.15 Uhr nach draußen.

Daraufhin kam es zu einer spontanen Demonstration mit Zwischenrufen, bei der die Hähnchenmastgegner Banner mit Aufschriften wie „Gesetze und Polizei schützen Tierausbeutung“ oder „Landkreis Celle legitimiert Umweltzerstörung“ zeigten. Auch sie wurden von den etwa 15 Polizisten aus dem Raum geführt. Anschließend erklärte sich der überwiegende Teil der Einwender solidarisch und verließ ebenfalls den Saal. Verbal angegriffen wurde dabei auch die Familie von Landwirt Christoph Lichthardt, der den Bau der Hähnchenmastställe für 84.000 Tiere beantragt hat: „Umwelt zerstören, damit macht ihr Kapital“ und „Profit zu Lasten der Gemeinschaft“ wurde ihnen vorgeworfen.

Er finde traurig, was passiert sei, erklärt Höhl. „Die Leute haben versucht, ein rechtlich vorgesehenes Instrument zu behindern“, so der Kreisdezernent. Er hatte zuvor mehrfach erläutert, dass die Anhörung zu dem konkreten Projekt stattfinde und keinen Platz für allgemeine Erörterungen biete. Der Termin werde fortgesetzt, solange es Einwender im Raum gebe. Silke Dinter aus Wienhausen plädierte für den Abbruch der Anhörung und die Fortsetzung zu einem späteren Zeitpunkt. Das lehnte Höhl ab. „Der Antragsteller müsste dann noch länger auf seine Genehmigung warten“, lautete sein Argument.

Als die Erörterung gegen 12.30 Uhr wieder aufgenommen wurde, waren noch zwei Einwender und zwölf Zuhörer im Raum. Inhaltlich ging es um den Tierschutz und Verbraucherschutz. Wenig später saß Gerald Stanke aus Eicklingen den Experten des Antragstellers und des Landkreises allein gegenüber. Er hatte extra einen Tag Urlaub genommen, um Antworten zu erhalten. Um 16 Uhr endete die Anhörung.

Die Polizei stellte die Personalien der Demonstranten fest, gegen sie wird wegen Hausfriedensbruch und in einem Fall auch wegen Widerstands gegen Polizeibeamte ermittelt. Zudem wurden gegen alle Platzverweise ausgesprochen. Die Demonstranten sollen nach CZ-Informationen zur sogenannten „Critical Mast“-Fahrradtour gegen Hühnermastanlagen gehören, die am 5. Mai im Wendland gestartet war und deren Teilnehmer am Dienstag ihr Zelt in Wietze neben dem Hähnchenschlachthof aufgeschlagen hatten.


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