Critical Mast: Drei Wochen Fahrradfahren, Aktionen, Campen, Debattieren, Disskutieren, Vernetzen, … gegen die Schlachtfabrik in Wietze und deren Zulieferbetriebe.

Die Vorgeschichte:

Anfang des Jahres setzten sich mehrere unabhängige Aktivist_innen, motiviert die Kampagne gegen Europas größte „Geflügel“Schlachtfabrik in Wietze bei Celle weiter voranzubringen, zusammen und stellten Überlegungen an wie sie das anstellen könnten. Nach der Räumung der Besetzung des „Schlachtfabrik Geländes“ vor 2 Jahren, wurden die geplanten Zulieferbetriebe als empfindlichsten Punkt des „Schlachtfabrik“ ausgemacht.
Rund 420 Zulieferbetriebe in einen Umkreis von 100 km benötigt der Konzern Rothkötter für die Durchsetzung seiner Pläne. Hierfür werden Landwirt_innen gesucht die vertragsgebunden bereit sind Mastanlagen, in denen ca. 40.000 Hühner gemästet werden, bauen zu lassen.
Durch juristische und öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzungen gehen Menschen vor Ort, die sich in Form von Bürgerinitiativen organisieren, gegen diese Anlagen vor. Fast überall wo diese Anlagen gebaut werden sollen gründet sich so eine Bürgerinitiative. Aber auch unabhängige Aktivist_innen aus Tierbefreiungs- sowie Öko- Zusammenhängen bringen sich immer wieder in die Auseinandersetzungen an den Standorten der Anlagen mit ein. Neben direkten Aktionen wie Besetzungen und Blockaden wird immer wieder versucht die lokalen Kämpfe der Bürgerinitiativen mit herrschaftskritischen und tierbefreierischen Ansätzen zu erweitern. Während die Zusammenarbeit mit den einzelnen Bürgerinitiativen meist gut läuft, scheitert es bei großen Verbänden wie „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, unabhängig von strategischen Fragen, an der Frage der Distanzierung von Militanz. Diese fordern für eine Zusammenarbeit und Informationsaustausch eine Distanzierung und eine 100% Zusicherung das sich Niemensch an den insgesamt 4 Brandanschlägen auf Zulieferbetriebe des Schlachthofes, beteiligte.
Spekulationen darüber zu meiden, wer wohl persönlich und wer nicht, hinter diesen Anschlägen stecken könnte, wird von vielen der Tierbefreiungsaktivist_innen als praktische Solidarität mit den Menschen die diese Aktionen durchgeführt haben verstanden und sollte aus einen politischen Selbstverständnis heraus unabhängig von der „Sinnvoll“- Erachtung der Aktionen, durchgeführt werden.

In dem letzten Jahr kam es zu mehreren Besetzungen von Äckern auf denen Mastanlagen gebaut werden sollten. Diese Besetzungen wurden Ausnahmslos nach wenigen Tagen geräumt und konnten daher nicht als dauerhafte Aktions und Kommunikationsplattform für Aktivist_innen, Bürger_innen, Journalist_innen, ect. dienen. Auch wenn nur für kurze Zeit kam es auf den Äckern zu einen Austausch von Wissen, Inhalten und gegenseitiger Hilfe zwischen Anwohner_innen und Aktivist_innen. Auch in den Medien zogen die Besetzungen sowie die Räumungen ein teils breites Echo zumindest im Norddeutschen Raum nach sich.
Im August letzten Jahres verbreitete sich die Botschaft das Rothkötters Schlachtfabrik in Wietze in Betrieb gehen wird, was bei einigen so etwas wie Resignation angesichts der geführten Kämpfe auslöste. Jedoch stellte sich auch ziemlich schnell heraus das es den Konzern trotz Inbetriebnahme immer noch an Zulieferbetrieben fehlt. Von 420 gab es zu den Zeitpunkt gerade mal 20, so dass die Auseinandersetzung um den Schlachthof und deren Zulieferbetrieben noch lange nicht von Tisch sein musste. Es hat sich innerhalb der Geschichte des Widerstands gegen die Schlachtfabrik, aber auch in anderen Kämpfen als durchaus effektiv erwiesen die Auseinandersetzungen an den Orten des Geschehens zu führen – also Widerstand direkt an den Orten an denen die unerwünschten Projekte errichtet werden – .

Was könnte diesen Frühling passieren?

In diesem Kontext entstand die Idee einer Fahrradtour mit dem Ziel, mit Hilfe einer offenen Mobilisierung für mehrere Wochen verschiedene Standpunkte an denen Mastanlagen gebaut werden sollen oder auch schon in Betrieb waren anzusteuern und mehrtätige Camps zu errichten, die als Plattform zur Vernetzung von verschiedenen widerständigen Personen und dem Austausch über Aktionsformen und Inhalten Dienen sollte. Aber auch als Ausgangspunkt für vielfältige Aktionen an den Anlagen.
Die Idee wurde sehr schnell konkretisiert, wurde für den 05. bis 28. Mai angesetzt und bekam den Namen „Critical Mast Aktionsfahrradtour“. Es folgten einige Treffen, das erstellen von Flyern, Einladungen von potentiellen Referent_innen, die Suche nach geeigneten Camporten etc.

Chronologie der Geschehnisse an den einzelnen Stationen:

05.0 bis 07. in Königshorst – im Wendland
An den ersten Tagen in Königshorst kam es neben inhaltlichen und praktischen Infoveranstaltungen, zu ein paar kleineren Aktionen wie das Aufhängen von Transparenten an der Bundesstraße – zur sich schon in Betrieb befindlichen Mastanlage in Teplingen- und Mars TV in der Einkaufszone von Lüchow.

10. bis 14. in Buchholz in der Nordheide
Neben dem Camp, welches in einem Garten von Unterstützer_innen errichtet wurde, gab es auch eine Mahnwache am Bahnhofsvorplatz in Buchholz. Hier fanden neben Gesprächen mit Passant_innen, Infoveranstaltungen, Vorträge und Aktionstrainings statt. Aktionen gab es neben kleineren in der Stadt, eine Bauplatzbesichtigung einer Mastanlage zusammen mit der Bürgerinitiative in Fintel und eine pro Tierhaltungsdemo der „Initiative Fleisch für die Welt“ vor dem Betreiber_innen der Mastanlage in Sprötze. Neben Sprechchören wie „Wer braucht schon Regenwald wens Arbeitzplätze gibt, Massentierhaltung ist der Hit“ wurde der Familie Eickhof für ihre Entscheidung eine zweite Mastanlage zu bauen gratuliert.

16. bis 20. in Celle
Neben den Inhaltlichen Programm z.B. über Undercover Recherchen in Tierfabriken, die Worthülsen der Agenda 21 und Rechte Ökologie, wurden Schaufenster vom Geschäften in der Innenstadt mit Schildern auf denen tierhaltungsablehnende Sprüche standen verziert und ein Tiernutzender Zirkuss der zur selben Zeit in Celle Vorführungen gab wurde mit einer Gegenveranstaltung und Flyern besucht. Zudem wurden in der Stadt und in den umliegenden Dörfern bei welchen Mastanlagen gebaut werden, mehreren Grafities entdeckt.

21. bis 28. in Wietze
Hier gab es weitere Vorträge, Workshops, Diskussionsrunden u.a. zur Einführung in die Strategie der offensiven Prozessführung, What do we want? – Tierschutz? Tierrechte? Tierbefreiung? und Gesellschaftskritik und politische Praxis der Tierbefreiungsbewegung.
Drumherum kam es zu einigen Aktionen wie z.B. zwei Blockaden von lehren Tiertransportern aus vor dem Schlachthof, ein öffentliches Einvernehmen wo es um die Genehmigung von zwei Mastanlage im Kreis Celle ging wurde gestört und endete mit einer Demo durch Wietze. Zudem wurde in diesem Zeitraum das Amtsgericht in Celle in dem Anfang Mai eine Aktivistin rechtswidrig zu einer Geldstrafe von 200€ verurteilt, weil sie vor 2 Jahren das Gelände in Wietze mitbesetzt zu haben soll, mit den Spruch „gegen Käfige und Knäste“ versehen.

Ein Versuch einer Auswertung der „Critical Mast Aktionsfahrradtour“

Eine generelle Auswertung der drei Wochen lässt sich schwer tätigen. Ich versuche es trotzdem einmal. Bei einigen Orten hätten sich durchaus mehr Menschen beteiligen können, an einer kreativen Aktions Dynamik mangelte es zwischenzeitlich auch. Aber dann gab es auch wieder Tage wo einige sehr motivierte Aktionen durchgeführt wurden, wo es zur Vernetzung zwischen einigen Aktivist_innen und Aktiven von Bürgerinitiativen kam, Inhaltliche gab es wichtige Debatten und viele Veranstaltungen waren gut besucht.
Alles in Allem war die Tour aus meiner Sicht ein durchaus sinnvoller Beitrag zum Widerstand gegen die Schlachtfabrik in Wietze, gegen Tierhaltung und für die Freiheit aller.
Vielleicht werden weiterhin Aktionen gegen die Schlachtfabrik und deren Zulieferbetriebe erdacht und durchgeführt. Rothkötter mit all seinen Kleinstfirmen, Partner_innen, Lobbyist_innen, Mäster_innen, Genehmiger_innen ect. Bietet einiges an Spielraum für einen vielfältigen Widerstand.
Noch ist nicht aller Tage Ende …

Freiheit für Alle!

Ein_e Aktivist_in die_der sich an der Organisation der Critical Mast Aktionsfahrradtour beteiligte

Während der Tour erreichte uns die frohe Nachricht das die zwei größten „Forschungsstützpunkte“ der Deutschen Agro-Gentechnik in diesem Jahr keine Freilandversuche mehr durchführen werden, ein Ergebnis eines ausdauernden und kreativen Widerstandes.
Eine Auswertung wie es dazu kommen konnte findest du unter: http://de.indymedia.org/2012/05/330532.shtml


1 Antwort auf „Critical Mast: Drei Wochen Fahrradfahren, Aktionen, Campen, Debattieren, Disskutieren, Vernetzen, … gegen die Schlachtfabrik in Wietze und deren Zulieferbetriebe.“


  1. 1 paul czickus 02. November 2012 um 11:55 Uhr

    Na drei Wochen Fahrradfahren hört sich ja nach einer Mammut Aufgabe an mit allem, was Ihr sonst noch vor hattet. Interessant ist Euer Bericht hier wirklich im Blog.

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